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30. Oktober 2018
Nachforderung in der Lohnsteueraußenprüfung

Und wer zahlt?

Regelmäßig werden Arbeitgeber in einem Abstand von vier Jahren vom Finanzamt im Rahmen einer Lohnsteueraußenprüfung geprüft. Dabei wird nachgerechnet, ob alle relevanten Sachverhalte richtig beurteilt und die Lohnsteuer korrekt einbehalten wurde.

Kommt dabei der Prüfer zu dem Ergebnis, dass zu wenig Lohnsteuer einbehalten und abgeführt wurde, werden die Beträge entsprechend nachgefordert. Doch wer zahlt in einem solchen Fall?

Grundsätzlich sind Arbeitgeber und Arbeitnehmer Gesamtschuldner der Lohnsteuer. Bei der Lohnsteuernachforderung ist jedoch zwischen der Haftung des Arbeitgebers und der Rückforderung beim Arbeitnehmer durch Änderung der Einkommensteuerbescheide zu trennen.

Der Arbeitgeber haftet gemäß § 42d Abs. 3 EStG für die Lohnsteuer, die er einzubehalten und abzuführen hat.

Er haftet jedoch nicht soweit die Lohnsteuer aufgrund falscher Lohnsteuerabzugsmerkmale nachzufordern ist oder weil die Voraussetzungen für die Steuerklasse II nicht vorlagen und der Arbeitnehmer die falschen Merkmale nicht hat berichtigen lassen. In diesen Fällen fordert das Finanzamt die zu wenig einbehaltene Lohnsteuer direkt beim Arbeitnehmer ein. Des Weiteren ist der Arbeitgeber nach § 41c EStG grundsätzlich zur Änderung des Lohnsteuerabzugs und zur Nacherhebung zu wenig einbehaltener Lohnsteuer beim Arbeitnehmer berechtigt.

Es entsteht sogar eine Verpflichtung zu einer rückwirkenden Änderung des Lohnsteuerabzugs für den Arbeitgeber, wenn er nachträglich erkennt, dass der Lohnsteuerabzug bisher falsch durchgeführt wurde oder Gesetzesänderungen rückwirkend in Kraft getreten sind. Ändert der Arbeitgeber den Lohnsteuerabzug in diesen Fällen nicht, muss er diese Tatsache unverzüglich dem Finanzamt mitteilen. Dies kann er schriftlich durch eine Anzeige nach § 41c Abs. 4 EStG erreichen und wird dadurch von seiner Arbeitgeberhaftung befreit. Die Anzeigeverpflichtung besteht im Übrigen auch in den Fällen, in denen der Arbeitgeber die Lohnsteuer deshalb nicht mehr nachträglich einbehalten kann, weil das Beschäftigungsverhältnis bereits beendet ist, der Arbeitgeber nach Ablauf des Kalenderjahres bereits die elektronische Lohnsteuerbescheinigung übermittelt hat oder weil der Barlohn zur Zahlung der Steuerabzugsbeträge nicht ausreicht.

Kommt es im Rahmen einer Lohnsteueraußenprüfung also zu einer Nachzahlung kann der Arbeitgeber auch in diesem Fall die Nachzahlungsbeträge vom Arbeitnehmer zurückfordern.

Wichtig: Fordert der Arbeitgeber den zu wenig einbehaltenen Betrag vom Arbeitnehmer nicht zurück, führt der Verzicht zu zusätzlichem Arbeitslohn, der im Zeitpunkt des Verzichts lohnsteuerpflichtig ist.

Fazit: Auch wenn Lohnsteueraußenprüfungen nur alle 4 Jahre stattfinden, sind Arbeitgeber nicht die Schuldner von nachzuentrichtender Lohnsteuer. Ferner können Sie die Beträge vom Arbeitnehmer zurück fordern. Dabei sollte allerdings auf einen für beide Seiten verträglichen Weg geachtet werden.

Sabine Boldt
Steuerfachangestellte | Personalfachkauffrau
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Astrid Koch
Bilanzbuchhalterin | Lohnbuchhaltung | Fachassistentin für Lohn und Gehalt
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