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5. Oktober 2017
Geringfügige Beschäftigungen – Teil 2

Gestaltungsmöglichkeiten nutzen!

Im Newsletter 02/17 wurde bereits über geringfügige Beschäftigungen und Möglichkeiten der Gestaltung berichtet (siehe Artikel „Geringfügige Beschäftigungen“). Aufgrund des anhaltend großen Interesses folgt in dieser Ausgabe nun Teil 2.

Gestaltungsmöglichkeiten im Minijob

Grundsätzlich liegen geringfügig entlohnte Beschäftigungen bzw. ein Minijob dann vor, wenn das regelmäßige Arbeitsentgelt im Monat 450 Euro nicht übersteigt. Hier setzt der Gestaltungsspielraum an, den es zu kennen und zu nutzen gilt. Neben einer gelegentlichen Überschreitung der monatlichen 450-Euro-Grenze unter Einhaltung der Jahresverdienstgrenze von 5.400 Euro bzw. der Überschreitung der 5.400 Euro-Jahresverdienstgrenze aufgrund von unvorhergesehenen Ereignissen (siehe dazu auch Newsletter 02/17) bestehen noch weitere Optionen:

Betriebliche Altersvorsorge

Entgeltumwandlungen zur betrieblichen Altersvorsorge sind möglich, wenn der Minijobber rentenversicherungspflichtig ist (also keinen Antrag auf Befreiung von der Rentenversicherungspflicht abgegeben hat). Erhält ein Minijobber im ersten Arbeitsverhältnis ein Entgelt, das für eine betriebliche Altersvorsorge umgewandelt wird, so wird dies nicht

dem Arbeitsentgelt zugerechnet (maximal können 4 % der Beitragsbemessungsgrenze der Rentenversicherung von derzeit 76.200 Euro = 3.048 Euro pro Jahr und 254,00 Euro pro Monat umgewandelt werden).

Beispiel Minijob-Rente:

Ein rentenversicherungspflichtiger Minijobber erhält im Rahmen seines ersten Arbeitsverhältnisses eine regelmäßige monatliche Vergütung in Höhe von

450 Euro. Es sollen nun zusätzlich 200 Euro zur betrieblichen Altersvorsorge zugunsten einer Direktversicherung gezahlt werden. Von der monatlichen

Vergütung von insgesamt 650 Euro werden die Beiträge zur Direktversicherung umgewandelt, also abgezogen. Das ausgezahlte Arbeitsentgelt in Höhe von 450 Euro überschreitet die Entgeltgrenze einer geringfügigen Beschäftigung nicht. Der Minijob bleibt weiterhin bestehen.

Einsparpotential Krankenversicherungsbeitrag

Grundsätzlich zahlt der Arbeitgeber für den geringfügig Beschäftigten einen pauschalen Beitrag zur Krankenversicherung in Höhe von 13 % des Arbeitsentgeltes an die Minijobzentrale als zuständige Einzugsstelle.

Beispiel:

Der Arbeitgeber A zahlt seiner Minijobberin M ein monatliches Entgelt von 450,00 Euro. Neben dem Minijobgehalt fallen für A folgende zusätzliche Abgaben an (ohne Berücksichtigung der individuellen Beiträge zur Unfallversicherung):

Sofern der Arbeitnehmer jedoch privat krankenversichert ist, muss der Arbeitgeber keine pauschalen Beiträge an die Krankenversicherung abführen. Dies bedeutet in dem o.g. Beispiel eine Einsparung von 58,50 Euro. Die Arbeitgeberkosten von 140,80 Euro würden sich um rund 41,5 % auf 82,30 Euro reduzieren.

Beschäftigung des Ehepartners als Minijobber

Die entgeltliche Beschäftigung des Ehepartners hat den Vorteil, dass Lohn- und Lohnnebenkosten wie alle anderen Personalkosten als Betriebsausgaben abgezogen werden können. Hierzu wurde bereits im Newsletter 02/17 ausführlich berichtet (siehe Artikel „Beschäftigungsverhältnisse unter Ehegatten“). Dies lässt sich auch auf die Beschäftigung von minijobbenden Ehepartnern übertragen.

Da diese Beschäftigungen einer gründlichen Prüfung standhalten müssen, ist auf die Erfüllung der Voraussetzungen besonders zu achten:

• Nach Abschluss eines schriftlichen Arbeitsvertrages muss der Ehepartner seine  Pflichten aus dem Arbeitsvertrag, also beispielsweise die tatsächliche, laut Vertrag vereinbarte Arbeitsleistung erbringen.

• Auch der Arbeitgeber muss seine Pflichten aus diesem Arbeitsvertrag erfüllen  und unter anderem der Zahlung der vereinbarten Vergütung nachkommen.

Daraus resultiert, dass das Arbeitsverhältnis so ausgestaltet werden muss, wie es mit einem fremden Dritten geschlossen worden wäre. Dies bedeutet damit auch, dass der angestellte Ehepartner den gesetzlichen Anspruch auf Mindestlohn hat.


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Empfehlung: Auch wenn es gemäß Mindestlohn-Dokumentationspflichten-Verordnung derzeit keine Pflicht zur Aufzeichnung von Beginn, Ende und Dauer der täglichen Arbeitszeit für mitarbeitende Familienangehörige gibt, so wird empfohlen, der Aufzeichnungspflicht dennoch nachzukommen. Damit wird nicht nur dem Gleichbehandlungsgrundsatz aller Mitarbeiter im Unternehmen entsprochen. Vielfach wollen Betriebsprüfer entsprechende Aufzeichnungen einsehen, um den Status der geringfügigen Beschäftigung begutachten zu können.

Fazit

Nach den in Newsletter 02/17 vorgestellten Möglichkeiten zur Gestaltung von geringfügigen
Beschäftigungen sind weitere Optionen nicht außer Acht zu lassen. Insbesondere die Minijob-Rente im Rahmen einer Entgeltumwandlung kann für den beschäftigten Minijobber eine überaus interessante Option sein, neben den grundsätzlichen Vorzügen des Minijobs zusätzlich etwas für die private Zukunftsabsicherung zu tun. Für den Arbeitgeber ergibt sich insbesondere in Zeiten des Fachkräftemangels eine Chance, sich zu positionieren und Minijobber auf Dauer zu halten.

Gerne unterstützen wir Sie bei der Gestaltung und Umsetzung von individuellen Beschäftigungsmodellen. Sprechen Sie uns gerne an!

 

 

 

 

 


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