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28. März 2017
Das Schulte-Modell: Keinen Stress mit der Ausbildung und trotzdem Nachwuchs

Dierkes Partner berät Jugend in Arbeit Hamburg – Perspektiven für die Generation Hartz IV – Steuerliche Aspekte 

Wenn Olav Vavroš durch die Bootsbauwerkstatt der Jugend in Arbeit Hamburg gGmbH im Harburger Binnenhafen geht, dann streicht er schon mal mit der Hand über eine fein lackierte Planke und freut sich, dass seine Azubis gute Arbeit leisten. Als Geschäftsführer verantwortet er unter anderem die Aufgabe, Menschen aus- oder fortzubilden, die auf dem Arbeitsmarkt sonst kaum eine Chance hätten. Vor allem die Jugendlichen haben einen schweren Stand, wenn sie beispielsweise Schulabbrecher sind und keinen Abschluss vorweisen können. Um diese schwer vermittelbare Klientel kümmert sich Jugend in Arbeit seit Jahren und lebt unter anderem von Spenden, die Unternehmen bereitstellen, um das Projekt zu fördern und arbeitsfähige Nachwuchskräfte zu bekommen.

Unser Partner Herbert Schulte hat sich Jugend in Arbeit einmal unter steuerlichen Gesichtspunkten angesehen und dazu ein eigenes Modell entwickelt, das interessant ist für Firmen, die entweder keine Ausbildungskapazitäten vorhalten oder keine Berechtigung zur Ausbildung besitzen.

So ist es bisher

Vavroš: „Wir treten als Gesellschaft mit den Jugendlichen in ein Ausbildungsverhältnis. Dazu wird ein Vertrag unterzeichnet – der Azubi ist dann bei uns angestellt. Wenn wir dies im Auftrag eines Unternehmens machen, fließt im Gegenzug eine Spende in Höhe von monatlich 600 Euro an uns.

Nach der Ausbildung kann der Geselle dann vom Unternehmen eingestellt werden.“ Dazu Schulte: „In diesem Fall kann der Auftraggeber die Spende bis zu einer bestimmten Höhe steuerlich geltend machen. Sein Vorteil: Die arbeitsrechtliche Verantwortung liegt voll bei Jugend in Arbeit.“

Das Schulte-Modell

Herbert Schulte hat nun eine neue Idee entwickelt: „Gerade in Zeiten, in denen der Nachwuchsmangel ein großes Thema ist, können sich Unternehmen, die eigentlich keine Kapazitäten für die Ausbildung haben, über Jugend in Arbeit junge Kräfte sichern. Und zwar so: Das Unternehmen X hat einen Bewerber, den es einstellt und zur Ausbildung zu Jugend in Arbeit schickt.

Dort findet alles statt, was mit der Ausbildung zu tun hat. Zwei Jahre lang werden junge Menschen mit einem vielleicht schwierigen sozialen Hintergrund und schlechter Ausbildungsperspektive auf das Arbeitsleben eingestellt. Im dritten Jahr können sie dann auch im Unternehmen eingesetzt werden. Der große Vorteil: In diesem Fall können sämtliche Kosten als betriebliche Ausgaben geltend gemacht werden.“

Die Situation

Trotz der großen Nachfrage nach Auszubildenden steigt die Zahl der Jugendlichen, die keinen Ausbildungsplatz bekommen, sagt Olav Vavroš. Die Hauptgründe: mangelnde schulische Leistungen, fehlender Abschluss und – nicht zu unterschätzen – fehlende Arbeitstugenden. Der 57-Jährige: „Die lernen sie hier bei uns.“ Er spricht unverhohlen von der Generation Hartz IV und bestätigt, dass es auch einen hohen Anteil perspektivschwacher Jugendlicher mit Migrationshintergrund gibt. Beide Gruppen haben zwar eine gewisse Schnittmenge, sind aber dennoch bei weitem nicht deckungsgleich.

Jugend in Arbeit bietet ein niedriges Einstiegsniveau und holt die jungen Leute aus den Job-Centern heraus. Wer am Zitadellenweg anfängt, lernt nicht nur für den Job, sondernauch fürs Leben. Aus der gemeinnützigen GmbH wird in diesem Moment dann einAusbildungsdienstleister, der seinem Auftraggeber viel Zeit und Nerven erspart.

Herbert Schulte: „Wenn ein junger Mensch im Betrieb erstmal die Grundlagen lernen muss, dann kostet das viel Zeit – und er bringt in dieser Phase nichts ein. Diese Kosten sind nicht zu unterschätzen.“

Steuerlich ist die Konstruktion auch sauber, denn: Der Charakter einer Spende ist immer der, dass keine direkte Gegenleistung fließen darf. Sie ist als Betriebsausgabe nicht absetzbar, mindert also auch nicht in vollem Umfang die Gewerbesteuer. Schließt der Auftraggeber dagegen mit dem Jugendlichen einen Ausbildungsvertrag ab, sind die entstehenden Ausbildungskosten voll als Betriebsausgaben zu werten. Es herrscht eine klare Kostenstruktur.

Die verdeckten Kosten, die durch Gespräche mit Mitarbeitern, Nachhilfe und Ähnliches für die Herstellung der Ausbildungsfähigkeit entstehen, fallen dagegen ganz offen bei Jugend in Arbeit an. Dazu schließt der Auftraggeber einen Dienstleistungsvertrag mit JiA ab.“ Anders ausgedrückt: Er hat keine Scherereien, aber bei erfolgreichem Abschluss später einen neuen Mitarbeiter.


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„Das ist unser Job“

Olav Vavroš: „Mir ist völlig egal, wo die jungen Leute herkommen. Unser Ziel ist es immer, dass sie nach drei Jahren bei uns facharbeitertauglich sind. Wir bringen unsere Jugendlichen durch die Prüfung. Das ist unser Job.“

Ausgebildet werden in den Hallen der Jöhnk-Werft Bootsbauer, Tischler, Ausbau-Facharbeiter, Zimmerleute und Holzmechaniker. JiA liegen bereits erste Anfragen von Unternehmen vor, die die Ausbildung in den Binnenhafen auslagern wollen.

Herbert Schulte
Steuerberater
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