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30. Oktober 2018
Bitcoin & Co.

Bei Kryptowährungen auf die richtige Versteuerung achten!

Durch die rasanten Kurssteigerungen des Bitcoins im vierten Quartal des letzten Jahres ist das Interesse am Handel mit Kryptowährungen, von denen es heute schon mehr als 4.500 verschiedene gibt, stark gestiegen und somit wird auch die Frage nach der richtigen Versteuerung von Kursgewinnen der digitalen Währungen immer wichtiger.
Der Verkauf der digitalen Währungen oder auch der Tausch gegen Waren kann, anders als vielleicht vermutet, zu einer Steuerbelastung führen. Dieser Artikel soll aus diesem Grund primär die Besteuerung bei Privatpersonen beleuchten.

In Einzelfällen kann die steuerliche Behandlung von der hier geschilderten abweichen, da bis heute noch keine bundeseinheitliche Stellungnahme der Finanzverwaltung zu der Thematik veröffentlicht wurde.

Privatpersonen

Realisierte Kursgewinne einer Kryptowährung sind den sonstigen Einkünften und hier den privaten Veräußerungsgeschäften zuzuordnen und unterliegen somit dem persönlichen Steuersatz. Sie stellen also keine Einkünfte aus Kapitalvermögen dar. In Bezug auf die Steuerlast spielt somit die Haltedauer die entscheidende Rolle. Bei einer Haltedauer von bis zu einem Jahr handelt es sich um steuerpflichtige private Veräußerungsgeschäfte. Für jede einzelne Transaktion muss ein Veräußerungsgewinn oder -verlust ermittelt werden. Dies kann insbesondere bei einem Kryptowährungsbestand, der durch mehrere Einzelkäufe entstanden ist, zu erheblichen Schwierigkeiten führen.

Insbesondere ist noch nicht abschließend geklärt, in welcher Reihenfolge der Verkauf fingiert wird. Das Finanzministerium Hamburg (FinMin der Freien und Hansestadt Hamburg vom 11.12.2017, S 2256 – 2017/003-52: Ertragsteuerliche Behandlung des Handels mit Bitcoins auf der privaten Vermögenssphäre) hat sich für die FiFo-Methode entschieden. Das bedeutet dass die zuerst gekauften Kryptowährungen auch als erstes wieder verkauft werden. Eine Durchschnittsbetrachtung erachtet sie somit als nicht zulässig. Bei einem Veräußerungsverlust ist zu beachten, dass dieser nicht mit anderen Einkunftsarten verrechenbar ist.

Wird die Kryptowährung länger als ein Jahr gehalten, so ist der Veräußerungsgewinn nicht steuerbar. Veräußerungsgewinne müssen in diesem Fall nicht versteuert werden und Veräußerungsverluste können nicht mehr geltend gemacht werden. Als Ausnahme von dieser Regelung muss jedoch beachtet werden, dass sich die Haltefrist auf 10 Jahre verlängert, sobald aus der Anlage von Kryptowährungen als Einkunftsquelle zumindest in einem Jahr Zinserträge erzielt werden.

Für die Erträge muss in diesem Fall zusätzlich Abgeltungssteuer entrichtet werden. Vernachlässigt werden kann die Betrachtung der Haltedauer, wenn die Freigrenze von 600€ nicht überschritten wird. Diese Freigrenze bezieht sich jedoch auf die Summe aller getätigten privaten Veräußerungsgeschäfte im Kalenderjahr.

Auch bei einem Tausch in eine andere Kryptowährung sowie dem Kauf von Waren oder Dienstleistungen gegen Kryptowährungen ist von einem Veräußerungsgeschäft auszugehen. Durch den Tausch oder Einkauf werden Gewinne oder Verluste realisiert, mit der Folge, dass die oben beschriebenen Grundsätze anzuwenden sind und ggf. eine Versteuerung vorzunehmen ist. Durch einen Wechsel der Kryptowährung kommt es jeweils zu einer Veräußerung und einer erneuten Anschaffung einer digitalen Währung. Dies macht die Ermittlung der Steuerschuld in vielen Fällen kompliziert.

Unabhängig vom Sachverhalt der zur Veräußerung von Kryptowährungen führt, wird aufgrund der Dokumentations- und Nachweispflicht eine lückenlose Aufstellung aller Transaktionen für die Ermittlung der Steuerschuld benötigt. Die Nachweispflicht liegt hierbei beim Steuerschuldner.

Unternehmen
Wird der Handel mit Kryptowährungen von Unternehmen oder Unternehmern im Rahmen ihres Unternehmens durchgeführt, so liegt eine gewerbliche Tätigkeit vor.

Im Gegensatz zu den privaten Veräußerungsgeschäften gilt hier keine Haltefrist und somit sind Gewinne oder Verluste zu jedem Veräußerungszeitpunkt steuerbar und gelten als Einkünfte aus Gewerbebetrieb.

Aufgrund der Komplexität soll an dieser Stelle nicht weiter auf die umsatzsteuerliche Behandlung sowie die bilanzielle Erfassung und den richtigen Ausweis von „selbstgeschürften“ Kryptowährungen eingegangen werden (vgl. hierzu Schreiben des BMF vom 27.02.2018, III C 3-S 7160-b/13/10001, 2018/0163969).

Simon Thering
Wirtschaftsprüfer | Steuerberater
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Manuel Beecken
Bachelor of Arts (B.A.) | Steuerberater | Fachberater für das Gesundheitswesen (DStV e.V.)
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