12. April 2018
Auch steuerfreier Arbeitslohn

muss vom Arbeitgeber ausgewiesen werden!

Bei der richtigen Berechnung und Erfassung der Lohnsteuer sind zahlreiche Detailregelungen zu beachten und umzusetzen (siehe allein §§ 38 ff EStG). Wird ein Arbeitnehmer (auch) im Ausland tätig, ergeben sich für den Arbeitgeber zusätzliche Herausforderungen. Welche wichtigen Schritte und Verpflichtungen treffen den Arbeitgeber?
Grundlegend ist zu prüfen, in welchem Land der Arbeitnehmer steuerpflichtig ist und in der Folge den Lohn ganz oder teilweise zu versteuern hat. Auf dieser Basis ist der Arbeitslohn jeden Monat sachgerecht aufzuteilen (beachten Sie bei der Bestimmung und Aufteilung die BMF-Schreiben „Ermittlung des steuerfreien und steuerpflichtigen Arbeitslohns nach den Doppelbesteuerungsabkommen sowie nach dem Auslandstätigkeitserlass im Lohnsteuerabzugsverfahren und Änderung des Auslandstätigkeitserlasses“ vom 14.03.2017, IV C 5 – S 2369/10/10002 und „Steuerliche Behandlung des Arbeitslohns nach den Doppelbesteuerungsabkommen“ vom 12.11.2014, IV B 2 – S 1300/08/10027).
Aus rein nationaler Sicht kommt der korrekten Ermittlung des im Inland steuerpflichtigen Arbeitslohns wesentliche Bedeutung zu, da der Arbeitgeber bei zu gering einbehaltener Lohnsteuer als Haftungsschuldner in Anspruch genommen werden kann. Arbeitgeber sollten daneben die Aufzeichnungspflichten gemäß § 41 EStG beachten.

Gerade in Lohnsteueraußenprüfungen oder Sozialversicherungsprüfungen kommt den Aufzeichnungen im Lohnkonto erhebliche Bedeutung zu. Auch fehlende oder fehlerhafte Aufzeichnungen können zu Mehrbelastungen des Arbeitgebers führen.
Ist ein Arbeitnehmer ganz oder teilweise im Ausland tätig, ist – wie bereits ausgeführt – der gesamte Arbeitslohn auf das In- und Ausland aufzuteilen. Auf den steuerpflichtigen Arbeitslohn wird Lohnsteuer berechnet und diese Daten gehen somit automatisch ins Lohnkonto ein. Daneben ist allerdings auch der nach einem Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) steuerfreie Arbeitslohn monatlich im Lohnkonto zu erfassen (siehe explizit § 4 Abs. 2 Nr. 5 LStDV).

Nach Abschluss des Lohnsteuerabzugs ist dem Arbeitnehmer eine Lohnsteuerbescheinigung zu erstellen. In Auslandsfällen ist insbesondere Nr. 16 zu beachten: hier ist nach DBA bzw. nach Auslandstätigkeitserlass steuerfreier Arbeitslohn auszuweisen. Diese Zellen sind insbesondere für die Erstellung der Einkommensteuererklärung und die korrekte Ermittlung der finalen Steuerbelastung relevant!

Zum Hintergrund: im Rahmen des Lohnsteuerabzugs ist für die Berechnung der abzuführenden Steuer allein auf eine richtige Zuordnung zum In- und Ausland und in der Folge auf den im Inland steuerpflichtigen Arbeitslohn abzustellen. Der Arbeitgeber muss nicht die tatsächliche Versteuerung im Ausland prüfen.

Bei Erstellung der Einkommensteuererklärung treffen den Arbeitnehmer selber weitere Pflichten: Zum einen ist die tatsächliche Besteuerung im Ausland nachzuweisen, ansonsten wird keine Freistellung gewährt. Zum anderen ist in der Regel die Freistellung von Arbeitslohn nach einem DBA mit dem so genannten Progressionsvorbehalt gekoppelt. Dieser führt dazu, dass der auf die im Inland steuerpflichtigen Einkünfte anwendbare Steuersatz erhöht wird. Der korrekte Ausweis der Progressionseinkünfte in der Lohnsteuerbescheinigung ist somit wesentlicher Bestandteil einer korrekten Einkommensteuererklärung. Dies gilt umso mehr in Zeiten der vorausgefüllten Steuererklärung!

Dr. Simone Wick
Steuerberaterin | Fachberaterin für Internationales Steuerrecht
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